Tauchplatz Kessel I Löbejün 2015 http://tauchen-hamburg.de

Tauchunfall Löbejün – und nun? Lehrreiches zum Stimmritzenkrampf.

In Vermischtes by harald juergs

Hallo liebe THH-Freunde,

gut fünf Wochen, nachdem ich in Löbejün für viel Aufregung gesorgt habe, melde ich mich nun selbst zu Wort. Vorab: Danke an Alle für Euren Einsatz und für Eure Unterstützung!

Ich bin wieder fit, Spätfolgen nicht erkennbar – außer dass ich das Rauchen aufgegeben habe.

Ich war heute bei einem HNO-Professor (und Taucher), der mich eingehend untersucht
und nichts festgestellt hat – im HNO-Bereich keine Auffälligkeiten. Nachdem mein Trommelfell wieder zugewachsen ist – es wurde für die Druckkammerfahrt punktiert -, werde ich mich nun wieder langsam an das Tauchen wagen!

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Laut dem HNO-Professor war es vermutlich ein Stimmritzenkrampf, der eben nicht nur durch eingeatmetes Kaltwasser ausgelöst wird. Das ist für mich neu und für viele von Euch vielleicht auch. Was also können wir aus diesem Tauchunfall lernen?

Das Wichtigste: Ein Stimmritzenkrampf kann bei Jedem auftreten, ist aber eher selten. Der Krampf löst sich auch wieder, sagt der Doc – spätestens wenn man ohnmächtig wird!

Bekanntlich war ich mit einem eCCR-Rebreather unterwegs, der keine Fehlfunktion hatte. Ich hätte aber nicht gewusst, wie ich meinem Buddy hätte deutlich machen sollen, was gerade bei mir abläuft. Das Zeichen „Durchgeschnitte Kehle (OOA)“ hätte meinen Buddy ja eher veranlaßt,  mir seinen Octopus zu geben – was mein Problem aber nicht gelöst und möglicherweise sogar verschlimmert hätte, da ich dann statt meiner „warmen“ Atemluft aus dem eCCR plötzlich kalte Luft aus der Preßluftflasche geatmet hätte.

Ein Stimmritzenkrampf kann auch ohne eingeatmetes Wasser auftreten, löst sich aber wieder bei Ohnmacht. Wir brauchen hierfür Zeichen und Verfahren.

Der Krampf löst sich wie gesagt bei einer Ohnmacht – allerdings glaube ich nicht, dass mein Buddy mich gegen meinen Willen bis zur Ohnmacht unter Wasser hätte halten können – bzw. ich ihm auch nur ansatzweise mein Problem hätte deutlich machen können. Mein Glück war – neben vielem Anderem – dass ich beim kontrollierten Aufstieg durch den Rebreather ohnmächtig wurde,
sich dadurch der Krampf löste und es zu keiner Lungenüberdehnungsverletzung kam!

Wir brauchen also ein neues Zeichen und ein Verfahren für einen Stimmritzenkrampf. Die Diskussion ist hiermit eröffnet:

Zeichen: Leichte Bewegung der flachen Hand gegen die Luftröhre

Verfahren: Versuchen, den Buddy bis zur Ohnmacht unter Wasser zu halten. Falls dies nicht möglich ist, seinen Aufstieg extrem verlangsamen, um die Ohnmacht beim Aufstieg zu erreichen (es kommt eher zur Lungenverletzung, als das sich der Krampf löst!). In der Ohnmacht sicherstellen, dass der Lungenautomat im Mund verbleibt (Opfer kann weiter atmen) und langsam aufsteigen.

Ich hoffe, dass ich hiermit etwas Klarheit in diesen TU bringen konnte und wir alle daraus lernen können.

Immer gute Luft
Euer Harald